Bauen mit Holz
Zu diesem umweltpolitisch aktuellen Thema luden die Neurieder Grünen in Kooperation mit den Ortsverbänden Gräfelfing und Planegg/Martinsried am 6. Februar 2020 zu einer Informationsveranstaltung mit anschließender Podiumsdiskussion ein. Durch den Abend führte Dr. Dieter Maier, dritter Bürgermeister von Neuried für Energie- und Klimafragen und Gemeinderat. Auf dem Podium saßen der Betriebswirt Alexander Zuschke vom Bürgerbauverein München als Bauherr, der Zimmerer und Planer Andreas Lerge vom Holzbaunetzwerk München sowie Dorit Zimmermann vom Grünen Ortsverband, die die Bewohnerseite abdeckte.

v.l.n.r.: Dorit Zimmermann, Dr. Dieter Maier, Alexander Zuschke, Andreas Lerge
Alexander Zuschke, Vorstand einer Holzbau-Genossenschaft, die gerade im Münchner Prinz-Eugen-Park ihr gemeinsames Wohnprojekt mit drei-, fünf- und siebengeschossigen Holz-Beton-Häusern realisiert, berichtete anschaulich von dem gesamten Bauvorhaben bis hin zur Fertigstellung. Aufgrund der besonderen statischen Erfordernisse, die ein mehrgeschossiger Bau in dieser Größenordnung mit sich bringt, wurden 45 % Beton und 55 % Holz verbaut. Neben einer Photovoltaikanlage gibt es eine Fahrrad-Tiefgarage, Gemeinschaftsräume, ein Gästeappartement und ein Dachgarten, um Gemüse für alle anzubauen. Dieses gelungene Beispiel zeigt, dass Holz nicht nur beim Bau von Einfamilienhäusern zum Einsatz kommen kann, sondern auch bei mehrgeschossigen Gebäuden. Diese Art zu bauen, spart Kies und CO2.
Die planerische Seite wurde vertreten durch den Holzfachmann Andreas Lerge, der in seinem Vortrag mit den gängigsten Vorurteilen aufräumte. Demnach brennt Holz zwar, wenn es Feuer fängt, aber der Brand gerät nicht außer Kontrolle. Im mehrgeschossigen Holzbau müssen die Wände aus Brandschutzgründen allerdings mit Gipskarton gekapselt werden. Schimmel ist ebenfalls kein Problem, sofern das Holz gut gelagert und trocken verarbeitet wird. Holz ist ein lebendiger Baustoff: Es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie auch wieder an die Umgebung ab. Ein Holzbau ist auch nicht kalt wie eine Baracke, sondern angenehm warm, er weist eine gute Dämmung selbst bei niedriger Wandstärke auf. Auch die Frage, ob der Holzbau nicht zu Lasten unserer ohnehin gefährdeten Wälder geht, konnte Andreas Lerge mit gutem Gewissen verneinen: „Es ist genug Wald für den Holzbau vorhanden – in nur 40 Sekunden wächst (in Österreich) ein Haus nach!“ Und eine weitere beeindruckende Bilanz: Mit einem Kubikmeter Holz lässt sich eine Tonne CO2 einsparen. Voraussetzung ist natürlich, dass heimisches Holz verwendet wird. Schließlich tauchten noch Bedenken bezüglich der Giftigkeit des Holzleims auf. Dazu konnte Lerge mit einer Untersuchung aufwarten, die in einer Schule durchgeführt wurde, die in Holzbauweise errichtet wurde. Die Schadstoffe, die in den Klassenzimmern gemessen wurden, stammten nicht vom Holzleim, sondern von der Kleidung und den Ranzen der Schüler und Schülerinnen.
Abschließend berichtete Dorit Zimmermann von ihren persönlichen Erfahrungen als langjährige Bewohnerin eines Holzhauses. Sie und ihre Familie bewohnen eine Doppelhaushälfte in der Solarsiedlung Neuried, die 2000 erbaut wurde. Die Probleme, die im Laufe der Jahre aufgetreten sind, haben nichts mit dem Baustoff „Holz“ zu tun, sondern mit Planungsfehlern des Bauträgers. Angesichts steigender Temperaturen auch in unseren Breiten, stellt der fehlende Sonnenschutz bei einer Südfassade mit großen Fensterfronten ein großes Manko dar. Darüber hinaus lebt es sich wunderbar in einem Holzhaus, das sowohl optisch als auch von der Anmutung nichts mit einer Baracke zu tun hat: Es ist ein vollwertiges Haus.

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